Ägyptens Frauen und der demokratische Wandel
Am 11. März veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Leserbrief von Franziska Brantner zur Rolle der Frauen im ägyptischen Transformationsprozess. Darin kritisiert die Europaabgeordnete, dass die Militärregierung in Kairo die Frauen bisher aus dem Prozess der Verfassungsreform weitgehend ausgeschlossen hat. Dies käme einem Verrat an der Revolution gleich.
Der Leserbrief im Wortlaut:
“Verrat an der Revolution
In Ägyptens Verfassungsversammlung müssen auch Frauen sitzen
In seinem ansonsten sehr informativen Beitrag über die Verfassungsreform in Ägypten (‘Ein Wunder in 10 Tagen’ vom 17. Februar) geht Tomas Avenarius zwar ausführlich auf die Vertretung von Muslimbrüdern und Kopten in der zehnköpfigen Verfassungskommission ein, lässt eine frappierende Tatsache aber gänzlich unerwähnt: In diesem für die politische Zukunft des Landes so wichtigen Gremium befinden sich ausschließlich Männer. Dabei hätten die ägyptischen Frauen einiges zur Diskussion der Rechtsexperten beizutragen, nicht zuletzt zur zentralen Frage der rechtlichen Gleichstellung der Geschlechter in der neuen Verfassung.
Der Ausschluss der Frauen aus der Verfassungsgebung kommt einem Verrat an der Revolution gleich. Durchaus zur Überraschung vieler westlicher Beobachter spielten Frauen eine wichtige Rolle bei den Massenprotesten, die zum Sturz Mubaraks führten. Der politische Umbruch hat damit das Zeug, zum emanzipatorischen Aufbruch zu werden – vorausgesetzt, die Frauen werden jetzt nicht von den Generälen ausgebremst. Gerade wir Europäerinnen und Europäer haben ein großes Interesse daran, das zu verhindern.
Europa sollte die Frauen, auch gerade junge Frauen, tatkräftig unterstützen – nicht zuletzt im Interesse Europas an einem progressiven Wandel.
Wenn die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und andere europäische Größen in die Region reisen, sollten sie sich daher nicht nur mit alten Männern treffen. Das neue Gesicht Nordafrikas ist auch weiblich, und die EU muss das bei der Auswahl ihrer Gesprächspartner(innen) berücksichtigen. Dieses politische Signal muss die EU flankieren mit konkreten Maßnahmen. Kurzfristig heißt das vor allem: Frauen zur aktiven Teilnahme an den Wahlen zu ermuntern. An EU-Projekten beispielsweise zur Journalistenausbildung und Medienförderung müssen ebenso viele Frauen wie Männer teilnehmen. Mittelfristig sollte die EU zudem die Bildungs- und Berufschancen der Frauen zu Prioritäten ihrer Politik gegenüber der Region machen.
Franziska Brantner
Mitglied des Europäischen Parlaments
Außenpolitische Sprecherin der Fraktion Grüne/EFA
Brüssel, Belgien”









