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Bologna-Reform: Idee gut, bei der Ausführung klemmt’s

Published: 14. December 2009

Die Idee war gut, bei der Ausführung klemmt’s. Jetzt ist das Wehklagen groß, die Solidaritätsadressen an die Studierenden sind kaum zu zählen und irgendwie hat niemand (oder alle) Schuld. Vor genau zehn Jahren wurde die Bologna-Reform der europäischen Hochschulen aufs Gleis gehoben. Nun, wo Bildung wieder zum heißen Eisen wird, gab es am Montag in Mannheim einen Moment des Innehaltens. Experten, Studierendenvertreter, grüne Abgeordnete von Land, Bund und Europa blickten in der Jüdischen Gemeinde über den Tellerrand und diskutierten unter dem Motto “Bologna 2.0″, wo Deutschland bei der Umsetzung steht und was aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen wäre.

“Ein neues Format, solche Themen von der Region, über das Land, bis zum Internationalen zu betrachten”, freute sich Helga Trüpel. Gemeinsam mit ihrer Kollegin im Europaparlament, Franziska Brantner, die die Veranstaltung in ihren Wahlkreis geholt hatte, forderte sie, dass die Politik jetzt endlich eine offene Diagnose liefern und dann die Dinge besser machen müsse. “Erste kleine Trippelschritte” gewagt zu haben, bescheinigte der Bundestagsabgeordnet Kai Gehring der Kultusministerkonferenz vor wenigen Tagen.

Doch Ziele wie mehr Mobilität, geringere Abbrecherquoten und mehr Chancengerechtigkeit seien in weiter Ferne. Stattdessen, so die Heidelberger Landtagsabgeordnete Theresia Bauer, gebe es an vielen Orten “Turbostudien”, in denen ohne Not alte Master- und Diplomstudiengänge einfach in sechs Semester Bachelor gequetscht würden und jede Menge Studierende, die sich einen Auslandsaufenthalt gar nicht mehr leisten könnten.

Doch die Rolle rückwärts will niemand. Nicht einmal diejenigen, die am meisten betroffen sind. Die jungen Männer und Frauen nützten das Forum, um sich schlau zu machen, wie es andernorts in Europa läuft in Sachen Bologna und gemeinsam mit den grünen Parlamentariern herauszufinden, wie es denn bedeutend besser laufen könnte.

“Ungeheure Dynamik”, so Lea Brunner von der “European University Association” in Brüssel stecke im Prozess. Das gilt auch für Deutschland, wo schon fast drei Viertel der Anfänger mit Bachelor- beziehungsweise Master-Studiengängen beginnen. Gleichwohl ist die Zustimmung bei allen Beteiligten nach wie vor gering. Zu wenig Mittel, Überlast an Stoff, Prüfungsdruck, mangelnde Betreuung…. Dass vieles in Deutschland überkorrekt, rigide, mit viel Bürokratie eingeführt wurde, dagegen neue Methoden der Lehre oder gar ein Wandel der Mentalität mit der Lupe zu suchen sind, darüber herrschte Konsens. Während der Prorektor der Mannheimer Universität, Professor Hermann Ebner, klar machte, dass es eine Verbesserung der Betreuung nicht für “umme” (Kurpfälzisch für umsonst) geben könnte und man sich viel zu wenig Gedanken gemacht habe, für welchen Arbeitsmarkt man die Bachelor denn ausbilde und wie der Übergang zum Master zu regeln sei, ist Holland da ein ganzes Stück weiter.

Da, so Professor Pauls Sars aus Nimwegen, erhält jeder Studierende ein Stipendium vom Staat, alle Universitäten entscheiden selbstständig über ihre Investitionen, werden aber vom Staat finanziert. Das Studium bis zum Bachelor ist formal von der Struktur, aber inhaltlich flexibel. Die Beteiligung der Studierenden gehört ganz selbstverständlich dazu, Studienplätze gibt es genügend. Das sieht laut Franziska Brantner in Deutschland ganz anders aus. Nicht zuletzt die am Horizont herauf ziehenden doppelten Abiturjahrgänge werden die ohnehin prekäre Lage noch verschärfen. Während Theresia Bauer den von der Kultusministerkonferenz eingeführten Akkreditierungsrat, der die Qualität der Bachelorstudiengänge sichern soll, am liebsten abschaffen würde, führte ihre Kollegin aus Nordrhein-Westfalen, Ruth Seidl, aus, dass externe Evaluierung schon auch notwendig sei. Sicher waren sich aber alle: Es muss sich mehr tun, vor allem müssen Studienplätze finanziert werden – statt Hotelbetten.

Published in: Bildungspolitik


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