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Lokales Denken greift in der globalen Welt zu kurz

Veröffentlicht am: 27. Dezember 2009

Heidelberg. “Lokales Denken in einer globalen Welt greift zu kurz”. Darin waren sich Franziska Brantner und der Chef der Polizeidirektion Heidelberg, Bernd Fuchs, beim Antrittsbesuch der grünen Europaparlamentarierin vor ein paar Tagen rundweg einig. Beide gemeinsam sehen die internationalen Aspekte ihrer Arbeit und wissen, dass rein lokale Kriminalitätsbekämpfung auf einer vernetzten Erde zum Scheitern verurteilt wäre.

Mit von der Partie waren von Seiten der Polizeidirektion Günther Bubenitschek und Reiner Greulich, die für die Kommunale Kriminalitätsprävention im Rhein-Neckar-Kreis beziehungsweise in Heidelberg verantwortlich zeichnen, sowie Andreas Stenger. Der ist zwar in der Polizeidirektion, übrigens die größte in Baden-Württemberg, Inspektionsleiter bei der Kripo, aber auch eine Art “Außenminister”. Von seinem früheren Wirkungskreis in Stuttgart mitgebracht hat er nämlich die Koordinationsaufgabe für Kriminalitätsprävention im Zuge des Stabilitätspaktes Südosteuropa. Konkret hilft er mit, das Kroatien, Bulgarien, aber auch Rumänien und Montenegro in der Vorbeugung ihr Potenzial ausschöpfen und verbessern können.

Beispiel gefällig? Vor zwei Jahren war die Kulturhauptstadt Europas das rumänische Sibiu und 1,5 Millionen Besucher wurden erwartet. Stenger und seine Mitstreiter bildeten 20 junge, rumänische Absolventen der Polizeiakademie, die des Englischen, Französischen oder Deutschen mächtig waren, darin fort, potenziellen Opfern von Scheckkartendiebstahl oder ähnlichem schnell und unbürokratisch beizustehen, beziehungsweise, es durch ihre ständige Präsenz mit ihren blauen Rollern im Straßenbild, gar nicht erst zu Übergriffen kommen zu lassen. Der finanzielle Aufwand hielt sich im Rahmen, das Sicherheitsgefühl wuchs eklatant und das Vertrauen in die örtliche Polizei ebenso.

Ohne enge Zusammenarbeit, so weiß Stenger ebenso gut wie sein Chef und seine Kollegen, wäre in vieler Hinsicht effektive Verbrechensbekämpfung gar nicht mehr möglich. Als im Sommer die so genannten “Flatrat-Bordelle” in die Schlagzeilen gerieten, konnte nur durch intensive Kooperation mit der Polizei in Südosteuropa manchen Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden. “Vieles ist einfacher, wenn man die Strukturen kennt und weiß, wo man nachhaken muss”, so Stenger.

Auch Bubenitschek und Greulich waren schon auf Auslands-Mission in Bulgarien und Kroatien. Allerdings in Sachen Vorbeugung. Für die beiden überzeugten Europäer eine Gelegenheit zur Horizonterweiterung. Anders dagegen werden in Deutschland Auslandseinsätze von Polizisten eher mit Skepsis betrachtet. Gerade einmal 18 Polizisten aus Baden-Württemberg sind derzeit auf EU-Auslandsmission, zum Beispiel in Afghanistan, im Kosovo oder im Kongo unterwegs. Aus Bayern kein einziger.

Kein Wunder, so Franziska Brantner, dass das regelmäßig bei europäischen Kriseninterventionen bemängelt und mehr Engagement der Deutschen eingefordert wird. Dabei ist längst klar, dass ohne internationale Ermittlungsgruppen oder Fahndungsräume die Polizei ein zahnloser Tiger ist im Hinblick auf das international operierende Verbrechen. Polizeidirektor Bernd Fuchs findet, dass mit Europol diese Art der Kooperation auf einen guten Weg gekommen ist. Daten über Fingerabdrücke oder DNA-Spuren werden nun binnen sieben Stunden von Finnland bis Sizilien übermittelt, wenn das nötig sein sollte. Anders bei der Justiz, da liegt in Sachen Kooperation über Ländergrenzen hinweg noch manches im Argen. Auch die unterschiedliche Polizeiausbildung in den 16 Bundesländern sowie mangelnde Sprachkompetenz sorgen mitunter für unnötige Schwierigkeiten.

Gewisse Hoffnung setzen die Heidelberger in das europäische Forum für urbane Sicherheit. 300 Städte, darunter auch Mannheim, wollen sich auf dieser Plattform austauschen und voneinander lernen. Die Gelegenheit ist günstig. Denn, ob Bukarest, Berlin, Helsinki oder Heidelberg, die Probleme sind oft ziemlich ähnlich: Gewalt, Jugendkriminalität, Drogen, Eigentumsdelikte und mangelndes Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stehen überall ganz oben. Und gerade was letzteres betrifft, braucht die Heidelberger Polizeidirektion ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, da hat sich enorm was getan. “Prävention hilft”, wissen die Männer und Bernd Fuchs, auch wenn dazu mitunter dicke Bretter gebohrt werden müssen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in EU-Missionen, Initiativen und Internationales, Konfliktlösung und Peacebuilding (inkl. Stabilitätsinstrument), Metropolregion Rhein-Neckar


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