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Equal Pay Day: Der Tag, den es eigentlich nicht geben dürfte

Veröffentlicht am: 25. März 2010

Heidelberg. “Eigentlich dürfte es das gar nicht mehr geben”. Ein Passant auf Heidelbergs Straßen bringt auf den Punkt, was viele denken: Nämlich dass Männer und Frauen für das gleiche Jobprofil und für die gleiche Position auch die gleiche Summe Geld bekommen sollten. Doch davon sind die Deutschen noch viel weiter entfernt als zahlreiche ihrer europäischen Nachbarn. Darauf weist die grüne Europaabgeordnete Franziska Brantner anlässlich des “Equal Pay Days” hin. Nicht von ungefähr findet der “Equal Pay Day” (zu deutsch: Tag der gleichen Bezahlung) am 26. März statt. Das ist nämlich der Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um am Ende ebensoviel in der Tasche zu haben wie ihre männlichen Kollegen. Mehr als 23 Prozent Unterschied gibt es in den Lohntüten zwischen den Geschlechtern in der Bundesrepublik, im Durchschnitt der Europäischen Union sind es 17,4 Prozent. Und die Schere öffnet sich weiter. Ein Grund mehr, die Ursachen zu beleuchten und genau hinzuschauen, wie “in Zukunft mehr drin” sein könnte.Das Heidelberger Amt für Chancengleichheit hatte sich zu seiner Veranstaltung zum „Equal Pay Day“ mit Karin Tondorf eine Expertin eingeladen, die zuletzt für Aufsehen damit sorgte, dass ihre Forschungsgruppe Instrumente entwickelt hat (www.eg-check.de), mit denen die Ungerechtigkeit gemessen werden kann. Leicht ist das nicht, sondern ziemlich komplex. Relativ einfach einschätzen lässt sich die Lage, wenn Mann und Frau beide im gleichen Job arbeiten, gemeinsam in einer Küche kochen oder beide Bus fahren. Dann geht es einfach nur darum, ob beide das gleiche Geld bekommen. Schwieriger lässt sich da schon der Job einer Küchenchefin mit der eines Werkstattleiters vergleichen. Aber auch dafür haben Karin Tondorf und ihr Team Kriterien entwickelt, mit denen sich die Verantwortung, die erforderliche psycho-soziale Kompetenz, das Wissen und die Führungsanforderungen messen lassen. “Es gilt, die Benachteiligung transparent zu machen”, so die Wissenschaftlerin. Das macht sie mit einer ausgeklügelten Berechnung, die sowohl das Grundentgelt, aber auch Leistungskomponenten und Berufsjahre berücksichtigt. Und dabei wird deutlich, dass die Lücke klafft. Beispiel, der Job des Kontrollschaffners. 9,93 Euro wäre beim untersuchten Fall der Tarif gewesen. Real gezahlt wurden für den Mann 9,00 Euro für die Frau 8,32 Euro. Die Rechtfertigungsgründe dafür sind vielfältig: “Sie ist noch nicht so lange im Betrieb, Sie hat nie mehr gefordert, sie ist jünger, sie arbeitet nicht so häufig länger”, sind die häufigsten Sprüche der Chefs. Angst nehmen wollte Karin Tondorf benachteiligten Frauen vor dem Rechtsweg. Eine Anpassung nach unten der besser bezahlten Männer kommt so gut wie nie vor, weiß sie. Aber dass Frauen nach der Beschwerde mehr in der Tasche haben, schon sehr viel eher.

Am Vorabend des Equal Pay Day reihte sich die Stadt am Neckar im Wahlkreis von Franziska Brantner damit in den bunten Reigen von 300 Veranstaltungen in Deutschland ein. Dass viele Frauen ihr Wissen und ihre Ausbildung nicht adäquat einsetzen könnten, sei ebenso wenig akzeptabel wie der Umstand, dass auch viele Väter für sich Beruf und Familie kaum vereinbaren könnten, so die Leiterin des Heidelberger Amtes für Chancengleichheit, Dörthe Domzig.

“Das Bewusstsein muss geschärft werden”, betonte der grüne Bürgermeister Wolfgang Erichson. Er unterstrich, dass es in den USA in den letzten Jahren gelungen sei, den Gedenktag schon um einen vollen Monat nach vorne zu verlegen.Damit auch in “Heidelberg in Zukunft mehr drin ist”, wurde ein Bündnis für gleiche Bezahlung gegründet (www.heidelberg.de/equalpayday), an dem bislang schon 14 Firmen teilnehmen. Weitere Mitmacher sind ausdrücklich erwünscht. “Wir haben keine Alternative, wenn wir im Wettbewerb um die besten Köpfe nicht verlieren wollen”. Für Roland Haag, den Personalchef der Heidelberger Stadtverwaltung, ist das keine Frage. In seinem “Haus” hat sich in den letzten Jahren die Lücke schon deutlich verringert. Elf Prozent Lohnunterschied sind es bei den Vollzeitkräften. “Das Bewusstsein bei den Führungskräften muss geweckt werden”, dazu gibt es für Haag keine Alternative, “eine Treppe wird von oben nach unten gekehrt”. Auch Nadine Klasen als Vertreterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Beschäftigung unterstreicht, dass ein Umdenken stattfinden müsse. Das, so Mitveranstalterin Simone Denzler von der Vereinigung “Business and Professional Women Germany”, Gruppe Metropolregion Rhein-Neckar, hat auch etwas mit flexiblen Arbeitsmodellen zu tun. Und da gelte es Männer ebenso ins Boot zu holen wie Frauen. Kein leichter Weg, so Dörthe Domzig abschließend. Sondern einer der vielen kleinen Schritte. Und sie hofft auf einen Equal Pay Day im Februar.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Gleiches Entgelt für Frauen und Männer


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