“Talk im Turm” bringt Politik und Jugend ins Gespräch
Mannheim. Der Fernsehturm ist sicher einer der wundervollsten Orte in der Metropolregion Rhein-Neckar. Kein Wunder, dass er für das Schüler-Projekt “Talk im Turm” eine Art wahr gewordener Traumort geworden ist. Nirgendwo sonst scheint ein Blick in die Zukunft mit genügend Abstand zur Gegenwart so augenfällig zu sein. Kein Wunder, dass das Team des Vereins “Starkmacher” mit Hilfe des EU-Programms “Jugend in Aktion”, mit dem das politische Engagement von Jugendlichen gefördert werden soll, in diesem Jahr ausgerechnet hier seine Zelte aufgeschlagen hat. “Ziel ist es, den strukturierten Dialog zwischen in der Gesellschaft Verantwortlichen und jungen Menschen zu ermöglichen”, so die erklärte Absicht. Beim Thema “Flüchtlinge”, zu dem Franziska Brantner eingeladen war, ist das rundum gelungen.Die Berge des Odenwalds, die Hügel der Pfalz, die Baustelle des neuen Großkraftwerks Mannheim, die Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg, Heidelberg, Ludwigshafen und die ganzen Städte und Dörfer inmitten von Feldern und Wäldern. Kein Platz in der Metropolregion ist wohl so geeignet, den Blick über den Tellerrand zu wagen. An diesem Abend tun das Schülerinnen und Schüler des Mannheimer Johann Sebastian Bach Gymnasiums. Sie haben über Monate hinweg ganz viel über Kameras, Einstellungen, Beleuchtung, Ton,Mikrofone und Schnitttechnik gelernt, sich im Moderieren geübt und darüber diskutiert, wie man das Thema “Flüchtlinge” so aufbereitet, dass daraus eine Fernsehsendung im Stil von “hart aber fair” entsteht. Keinesfalls handelt es sich dabei um eine Trockenübung. Nicht umsonst sind neben “Jugend in Europa”, der Deutschen Agentur für das EU-Programm “Jugend in Aktion” auch der Stadtjugendring Mannheim sowie die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg mit von der Partie. Wenn die Beiträge, Diskussionen und Interviews professionell aufbereitet sind, sollen daraus DVDs entstehen, die im Gemeinschaftskundeunterricht eingesetzt werden können.
Das Projekt “Talk im Turm”, so verrät der Vereinsvorsitzende der “Starkmacher” Mathias Kaps wird von der EU mit 30000 Euro gefördert. Vier Schulen aus Mannheim und Heidelberg nehmen daran teil. Projektleiter Günter Röser ist beeindruckt, wie sich die Elftklässler im Zuge der Zeit entwickeln. Bislang unbekannte Talente können sich entfalten. Jeder packt mit an. Auch Franziska Brantner ist nach rund zwei Stunden “Talk im Turm” tief beeindruckt vom Niveau der Fragen und der Professionalität des Teams. Auch wenn die Scheinwerfer, wie im echten Fernsehleben, das Ganze zu einer ziemlich schweißtreibenden und durstfördernden Angelegenheit machen.
Der 32-jährige Europaabgeordnete gefällt, dass sich das Team des Johann Sebastian Bach Gymnasiums just des Themas “Flüchtlinge” angenommen hat. Als außenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion weiß sie, wie oft das Schicksal dieser Menschen aus dem Blickfeld zu geraten droht. Schnell wird da von “Flut” als Folge der nordafrikanischen Umbrüche in Richtung Europa gesprochen, auch wenn faktisch nur ein paar Tausend ankommen, aber Millionen in den viel ärmeren Nachbarländern Zuflucht finden. Manchmal schämt sich die außenpolitische Sprecherin der Fraktion die “Grünen/EFA” regelrecht für die Ignoranz vieler europäischer Regierungen, die viel zu lange mit Diktatoren paktiert hat und auch jetzt viel zu zögerlich mit Unterstützung ist. Ob Hungerkatastrophe in Somalia oder die Flüchtlinge in Lampedusa, vieles an Leid ist auf dem Rücken des Profits und der Ausbeutung der Ärmsten entstanden. Oft sind es die Angst vor Verfolgung und Gewalt, häufig aber auch die blanke Not oder Umweltkatastrophen, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat hinter sich zu lassen.
Franziska Brantner macht sich dafür stark, dass ihr Schicksal an den Grenzen der Europäischen Union künftig keiner Lotterie mehr gleicht. Sie möchte, dass jeder Asylbewerber nur einen Antrag stellt und der dann nach in der ganzen Staatengemeinschaft gültigen Kriterien geprüft wird. Wenn dann die Flüchtlinge auch noch nach einem gerechten Schlüssel auf die gesamte Staatengemeinschaft verteilt werden, dann ist ihrer Ansicht nach die Welt ein Stückchen menschlicher geworden. “Es lohnt sich zu zu engagieren”, gibt die Parlamentarierin den jungen Menschen auf den Weg. Wenn die Menschen es wollen, dann “besteht auch Chance auf Veränderung”.
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