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Frauenfußball als Botschaft: Farbe bekenne und Beine machen

Veröffentlicht am: 16. Juli 2011

Sinsheim/Brüssel. Die Fußballweltmeisterschaft machte es offensichtlich. Deutschland ist weiblich, fröhlich, bunt, international und ganz schön jung. Den Eindruck konnte zumindest gewinnen, wer den Tübinger Fanbus zum Spiel Schweden-Frankreich in Sinsheim zu Gesicht bekam. Mit an Bord des von der Frauenrechtsbewegung Terre des Femmes sowie dem interkulturellen Mehrgenerationenhaus InFö gemieteten Gefährts auch die Europaabgeordnete der Grünen Franziska Brantner. Die 31-Jährige, die neben Wohnsitzen in Brüssel, Heidelberg und Freiburg auch einen in Tübingen ihr eigen nennt, freute sich über die Mitfahrgelegenheit. Gemeinsam mit der örtlichen grünen Landtagsabgeordneten Charlotte Schneidewind-Hartnagel, die auch noch frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, begleitete sie 50 Mädchen und Frauen aus Schwaben zum Spiel um den dritten Platz.Hintergrund war die Terre des Femmes-Aktion „Frau in Bewegung“ mit dem Untertitel „Farbe bekennen und Beine machen“. Damit, so die Geschäftsführerin Christa Stolle, solle nicht nur gewürdigt werden, dass „Fußballerinnen Frauenrechtlerinnen per se“ seien und „Botschafterinnen der Emanzipation und Selbstbestimmtheit, sondern auch das Augenmerk auf die wichtige Rolle gelenkt werden, die Sport in Sachen Integration von Migrantinnen spielen kann. „Bewegungsfreiheit ist ein Menschenrecht“, so die Vertreterin von Terre des Femmes. Eine Erfahrung, die auch SC-Freiburg-Fan Franziska Brantner bestätigen kann. Die Abgeordnete mit Sitz im Frauenrechts-, Haushalts- und Auswärtigen-Ausschuss des Europa-Parlaments hat den „Arabischen Frühling“ der letzten Monate intensiv politisch begleitet und immer wieder auf die Rolle der Frauen und ihre Bedürfnisse aufmerksam gemacht. Die Politikerin Brantner und die Menschenrechtsaktivistin Stolle wissen, dass Frauen im Iran nicht in die Stadien dürften und dass Fußball zu spielen in Saudi Arabien, ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Aber auch in Deutschland ist längst nicht alles Gold was glänzt, unterstrichen die beiden in Sinsheim.

Vielen Migrantenmädchen dürfen am Schulsport nicht teilnehmen und die Vereine machen wenig Angebote, die auf ihre Bedürfnisse eingehen. Darüber hinaus, ist der Deutsche Fußballbund auch noch nicht lange so aufgeschlossen wie zwischenzeitlich. Zwar begann mit dem Gewinn des Weltmeistertitels der Frauen, so Charlotte Schneidewind-Hartnagel, auch in der Bundesrepublik die Diskussion um den Frauenfußball, aber, so die Argumentation damals, „da mit dem Kampf um den Ball die weibliche Anmut verchwindet, Körper und Seele Schaden erleiden und das Zurschaustellen des Körpers die Schicklichkeit verletzt“, verbot der Fußballbund Damenmannschaften. Die Frauen ließen sich nicht kleinkriegen, so die Landtagsabgeordnete, aber dass ihr Spiel auch 90 und nicht nur 70 Minuten dauert ist gerade einmal 18 Jahre so und Birgit Prinz verdient noch immer ein Zehntel von Miro Klose. Dennoch hat sich viel getan seither, wussten die Europa- und die Landtagsabgeordnete zu berichten, In Baden-Württemberg gibt es derzeit 585 Frauen und 1394 Mädchenmannschaften, die Zuwachszahlen steigen, es wird brillanter Sport geboten.

Auf dem Platz und im Spiel zählt die sportliche Leistung. Herkunft und sozialer Status spielen dabei keine Rolle. Oder wie Gissela Yovera aus Peru, die nach den Sprachkursen bei InFö am Nachmittag in der Mannschaft des Tübinger Bildungsprojektes kickt, es beschreibt: „Ich fühle mich dann einfach frei, kann mich nach Herzenlust bewegen und eine Powerfrau sein“. Genau das haben sich Margarete Lanig-Herold und ihr Team des gemeinnützigen Bildungsträgers immer gewünscht und mit Sabine Schönweiß, die bei der TSG Tübingen bei den „Alten Herren“ mitspielt, sogar eine versierte Trainerin gefunden. Zwischenzeitlich ist das auch beim Fußballbund aufgefallen und „Gol“, das Fußballprojekt des Vereins hat den Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes erhalten. Keinesfalls zufällig gewählt war auch der Ort, wo sich die Mädchen und Frauen auf Einladung der grünen Europaabgeordneten im Vorfeld des Spiels stärken konnten. Das Café am Burgplatz, direkt an der Fanmeile gelegen, handelt es sich auch hier um ein integratives Projekt, in dem zahlreiche behinderte Menschen ihren Arbeitsplatz finden.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Antidiskriminierung & Chancengleichheit, Frauenpolitik, Frauenquote, Initiativen und Internationales, Meine Region, Metropolregion Rhein-Neckar, Soziales und Bildung


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