Schwerter zu Pflugscharen oder Bombendepot zu Energiepark

Morbach/Hunsrück. Den kalten Krieg hat Morbach im Hunsrück direkt und drastisch miterlebt. Denn auf einem 142 Hektar großen Gelände der Gemeinde befand sich bis in die Neunziger Jahre das europaweit größte Munitionsdepot der amerikanischen Streitkräfte. Die Angst vor Blindgängern, Unfällen oder einem möglichen Angriff feindlicher Truppen war für die Bevölkerung am Munitionslager Rapperath/Wenigerath dabei ständiger Begleiter und Grund für viele, sich in der Friedensbewegung zu engagieren. Nach dem kalten Krieg verlor der Standort für die Amerikanischen Streitkräfte seine strategische Bedeutung und wurde aufgegeben, so dass die Nutzung der nun brachliegenden Fläche zur Debatte stand. Die Bürger der Gemeinde Morbach sprachen sich dabei für einen Park zur Ansiedlung von regenerativen Energie-Projekten aus. Bei einem Besuch Franziska Brantners, der grünen Abgeordneten für die Metropolregion Rhein-Neckar und Rheinland-Pfalz im Europäischen Parlament, sowie Eveline Lemke, Sprecherin des Landesvorstandes der Grünen in Rheinland-Pfalz, auf dem Gelände wurde deutlich, dass das alte Motto “Schwerter zu Pflugscharen”, bis heute keineswegs an Bedeutung eingebüßt hat. Nur dass in Morbach eben ein Bombendepot zum Energiepark wurde. So kann die Energielandschaft Morbach als ein positives Beispiel eines nachhaltigen und sinnvollen Konversionsprojektes dienen und aufzeigen, dass es positive Alternativen zur Verwandlung von ungenutzten Militärflächen und -landeplätzen in defizitäre Regionalflughäfen gibt.
Bei einer Führung auf dem Gelände gewannen die Politikerinnen zunächst einen Einblick in die surreale Wirklichkeit des kalten Krieges – so wurde ein Bunker besichtigt, der im Falle eines Luftangriffes als Schutz für die amerikanischen Soldaten gedient hätte. Eine drangvolle Enge ohnegleichen. Geplant ist es, diesen Bunker zukünftig in eine Ausstellung einzubinden, in der die prekärste Gefahr der damaligen Zeit, der Kalte Krieg, der zu einem heißen zu werden drohte, der heute vordringlichen Gefahr, nämlich der des Klimawandels und der sich anbahnenden Ressourcenknappheit, gegenübergestellt wird, wobei Lösungen und Alternativen für unsere heutigen Probleme aufgezeigt werden.
Der Gemeinde Morbach war es dabei von Anfang an wichtig, durch die Energielandschaft auch einen Einblick in die Technologie der regenerativen Energien zu liefern und notwendige Aufklärungsarbeit zu leisten. Aufgrund dieses Engagements ist die Energielandschaft Morbach als bisher einzige Gemeinde in Deutschland in das europäische Projekt der Energieschaustraße aufgenommen worden und fungiert somit als positives Beispiel der Bewusstseinsbildung in Sachen erneuerbare Energien.
Das Projekt der Energielandschaft war 2001 angestoßen worden, als die Gemeinde sich mit der Frage auseinandersetzen musste, was aus der brachliegenden Fläche, die das Munitionsdepot hinterlassen hatte, werden sollte. Man entschied sich gegen das Angebot eines großen Energiekonzern und für einen eigenständigen Energieparks, in dem sich verschiedene Unternehmen ansiedeln könnten. Seit 2002 drehen sich nun mehr als ein Dutzend Windräder auf dem Gelände, seit 2006 ist ein Biogasanlage hinzugekommen, während zahlreiche moderne Photovoltaikanlagen Sonnenlicht in elektrischen Strom verwandeln. Ganz dem Konzept der Energielandschaft gemäß, sind inzwischen weitere Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien dazu gekommen. Besonders energieintensive Unternehmen schätzen die günstige und direkt vorhandenen Energiequellen; so nutzt beispielsweise ein Holzpelletproduzent die vorhandene Abwärme der Biogasanlage zur Trocknung der benötigten Holzspäne. Aber auch Unternehmen, die mit dem Bau von Blockhäusern und dem Vertrieb von Biomasse-Öfen vertraut sind, haben hier inzwischen ihren Platz gefunden.

Dass in Morbach mit viel Kreativität und Engagement vorgegangen wird, zeigte sich auch bei einer Besichtigung der Photovoltaikflächen. So wird die überdachte Fläche unterhalb der Dünnschichtsolarmodule als Stall für Schafe genutzt, die gleichzeitig die brach liegenden Flächen beweiden. Zusätzlich engagiert sich die Gemeinde Morbach in der Entwicklungshilfe für Mali, wobei das in Morbach vorhandene Know-How genutzt wird, um photovoltaisch angetriebene Wasseraufbereitungsanlagen herzustellen, die vor Ort pro Tag bis zu 3000 Liter sauberes Wasser herstellen können.
Dass die Gemeinde davon auch noch finanziell profitieren kann, während langfristig sichere Arbeitsplätze in der Region entstehen, ist mehr als ein positiver Nebeneffekt, gerade in Zeiten knapper Gemeindekassen. So nimmt die Gemeinde jährlich etwa 350.000 Euro Pacht für das Gelände ein, und profitiert zusätzlich von der Gewerbesteuer für die Windkraftanlagen. Dies sticht besonders dann positiv hervor, wenn man den 20 Kilometer entfernten Flughafen Hahn als Vergleich heranzieht, an dem jährlich Steuergelder im zweistelligen Millionenbereich abgeschrieben werden müssen, und bei dem es sich ebenfalls um ein Konversionprojekt einer alten Militärflächen handelt.
Gerade hier zeigt sich also, dass die kühne Idee, aus einer ehemals militärisch genutzten Fläche ein positives Beispiel für unsere Zukunft und die erneuerbaren Energien werden zu lassen, durchaus Wirklichkeit werden kann. Die Erfahrung, dass dieses Projekt ökonomisch auch noch sinnvoller ist, als der Bau eines weiteren verlustreichen Regionalflughafens, sollte zumindest in der Zukunft dazu dienen, sinnvolle Projekte auf Konversionsflächen anzustoßen – Morbach geht jedenfalls mit gutem Beispiel voran.
Von Alexander Franke
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