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“Weibersalon”: Wir können stark sein

Veröffentlicht am: 15. März 2010


Ludwigshafen. Frauen wollen Netzwerke und keine Seilschaften. Und wenn sie die knüpfen, dann soll das Ganze auch noch Spaß machen. Auf diesen Nenner könnte man den ersten Weibersalon der Metropolregion bringen, den das grüne Europabüro von Franziska Brantner gemeinsam mit der Ludwigshafener Stadtratsfraktion auf die Beine gestellt hatte. Für den musikalischen Pfiff sorgten “Angels at Work”, in Mannheim und Ludwigshafen zuhause, und fürs Mut machen sorgten engagierte Frauen aus der Region. Beispielsweise die Mannheimer Frauenbeauftragte Ilse Thomas. Seit mehr als 30 Jahren kämpft sie gegen die Ungerechtigkeit und noch immer ist das Bohren dieser dicken Bretter kein bisschen leichter geworden. Nichts ist selbstverständlich und erledigt. Im Gegenteil. “Die wachsen auf Bäumen”, so ihre Vermutung, warum frauenfeindliche Männer noch immer nicht ausgestorben sind. Aber auch den Frauen fehlt oft das notwendige Quäntchen an Selbstbewusstsein. “Ich kann das”, kommt vielen nur schwer über die Lippen. Richtig stolz ist Ilse Thomas aber auf das Gründerinnenzentrum. Dort beweisen viele Frauen, dass sie nicht nur ihre Nischen finden und besetzen, sondern auch grundsolide ihre Existenz gründen und auf eigenen Beinen stehen können.  Ohne Europa, so Thomas, ginge das freilich nicht. Denn vor allem dort, so ihre These, kommt Fortschritt für Frauen und kommen oft auch die nötigen Mittel für Projekte her.

„Es braucht Stärke und Glück, um sich durchzusetzen”, so Fatma Biber-Born beim Weibersalon. Sie gehört dem Bundesverband der Migrantinnen an, in dem sich in ganz Deutschland rund 1000 Frauen mit ausländischen Wurzeln zusammen geschlossen haben. Auch hier sind die Probleme von gestern noch aktuell und eine Reihe von neuen kamen hinzu. Doch die Gruppe, die sich jeden zweiten Samstag im Monat in Ludwigshafen in der Volkshochschule trifft, geht sie beherzt an. Ob Alleinerziehende, finanzielle Schwierigkeiten, oder auch Erziehung und Bildung, ganz bewusst will sich der Verband auch nach außen öffnen und Informationen weitergeben. „Wir können stark sein”, weiß Özlen Yörük, „und wir wollen Einflussmöglichkeiten kennen und nutzen”.

In kleinen Schritten hat sich die Politisierung der Gemeinderätin Kerstin Schulze vollzogen. Mit dem Studium der Politikwissenschaften in Mannheim wuchs dann auch der Wunsch, sich irgendwann einmal praktisch einzubringen. Das tut sie nun seit Beginn dieser Legislaturperiode in der vierköpfigen grünen Stadtratsfraktion von Ludwigshafen. Auch wenn die Mühlen mitunter langsam mahlen, hat sie den Schritt keine Sekunde bereut. Oft, so Kerstin Schulze, sind es die kleinen Erfolge, die einen aufrecht halten und voran bringen. Auch wenn die knappen kommunalen Kassen kaum Spielräume lassen. Wichtig sei auch, nichts als gegeben oder selbstverständlich hinzunehmen. „Das Erreichte muss verteidigt werden, sonst gibt es Rückschritte.”.

Was hat Latein mit Frauenpolitik zu tun? Bei Gastgeberin Franziska Brantner ziemlich viel. Weil sie Frauenhandel in Vergangenheit und Gegenwart bei ihrem Lateinlehrer als Verbrechen bezeichnete, zwiebelte der sie so lange in Grammatik, bis es zu einer schlechten Note reichte. Auch hier also das Thema Ungerechtigkeit. Gleichberechtigung muss auch in Europa immer wieder verteidigt werden. Was wünscht sich die werdende Mutter für ihre kleine Tochter? Dass gleiches Recht für Mann und Frau auf allen Ebenen dann wirklich selbstverständlich sind.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Frauenpolitik


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