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Grüne Zukunft für die “Grüne Hölle”

Veröffentlicht am: 12. Februar 2010

Nürburgring

“Die Größenordnung der Investitionen am Ring ist so groß, dass Verpachtungen der Nürburgring GmbH an andere Betreiber eigentlich nach europäischem Recht ausgeschrieben werden müssten”. Das stellte die auch für Rheinland-Pfalz zuständige Europaabgeordnete der Grünen, Franziska Brantner, gestern Nachmittag in Nürburg klar. “Nur dadurch lässt sich sicherstellen, dass auch das beste Konzept und der beste Betreiber die Verantwortung für den Nürburgring – und damit auch für die Region – erhält.”

“Wir Grüne werden darauf achten, dass keine Marktteilnehmer bevorzugt werden. Vetternwirtschaft darf am Ring keine Zukunft haben”, pflichtete ihr die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Landesvorstandes Eveline Lemke bei. Von einer Strukturförderung wie am Nürburgring solle die gesamte Region profitieren.  “Das ist die Landesregierung den Menschen hier schuldig”, so Lemke. Wer hätte das gedacht? Zwei grüne Frauen schlagen Brücken über eine Kluft, die schier nicht überwindbar schien. Die Europaabgeordnete Franziska Branter und die Sprecherin des Landesvorstandes in Rheinland-Pfalz, Eveline Lemke, hatten sich im dichten Schneetreiben zu einem “Hot Spot” der Politik aufgemacht. Denn, dass die als “grüne Hölle” bezeichnete Rennstrecke Nürburgring in der idyllischen Eifel das derzeit ist, daran hegt wohl niemand Zweifel. Es hätte turbulent werden können bei Podiumsdiskussion und Gespräch mit Bürgermeistern, Automobilsportbegeisterten, Politik und Medien. Geistert doch seit Monaten die Angst vor einer rund 400 Millionen Euro teuren riesigen Investitionsruine durch den Raum. Die kleineren Hoteliers fürchten genauso an die Wand gedrückt zu werden wie die Renntaxibetreiber oder andere lokalen Anbieter. Doch stattdessen stand am Ende ein Handschlag zwischen Norbert Hanhart von der Bürgerinitiative und Jörg Lindner, Hotelier am Ring und von der Landesregierung designierter Betreiber der Rennstrecke.

Dabei begann alles mit einem Affront. Am späten Abend des Vortages sagte der Geschäftsführer des Nürburgrings, Hans-Joachim Koch, überraschend das seit drei Monaten geplante Informationsgespräch ab. Doch davon ließen sich die beiden Politikerinnen nicht beirren. Nach einer ausführlichen Besichtigungstour der gesamten Anlage vom historischen Fahrerlager, über die Siegertreppe, bis hin zu 4D-Kino, Ringboulevard und Hotels, luden die beiden Frauen nach Nürburg zum Gespräch mit Betroffenen, Medien und Betreibern.

Dabei wurde eines deutlich: Die Investitionen sind gemacht. Sie sind massiv und werden der Eifel wohl lange Zeit erhalten bleiben. “Jetzt gilt es, Ideen zu entwickeln, wie mit diesen Dingen am besten umgegangen wird”, brachte es Eveline Lemke auf den Punkt. Nicht ohne hinzuzufügen, dass Grüne auf allen Ebenen der Politik ein sorgsames Auge darauf haben werden, dass alles mit rechten Dingen zugeht. “Es muss eine ordentliche Ausschreibung geben”, so Franziska Brantner, “und dabei müssen alle Fristen, Bedingungen und Spielregeln eingehalten werden. Es muss endlich Transparenz in den gesamten Prozess der Neuausrichtung.” Vorstellen können sich die beiden sogar, dass aus dem Mythos Nürburgring in nicht allzu ferner Zukunft eine Entwicklungs- und Teststrecke für umweltfreundlichere Automobiltechnik entsteht. “Wenn Geld in die Hand genommen wird”, so Brantner, “dann muss es aber auch so ausgegeben werden, dass es Sinn macht für alle Menschen in der Region.”

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Initiativen und Internationales, Meine Region, Strukturförderung, Umwelt und Verkehr


Ein Kommentar

  1. Für eine Ring-Zukunft ohne Vetternwirtschaft schrieb am 12.02.2010 um 21.19 Uhr

    [...] privatwirtschaftliche Betreiber nach europäischem Recht ausgeschrieben werden müssen. Das stellte Franziska Brantner, Europaabgeordnete von Bündnis 90/Grünen, vorhin bei einer Podiumsdiskussion in Nürburg [...]


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