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Aus Tradition quicklebendig: Städtepartnerschaft mit Austausch von Azubis

Veröffentlicht am: 28. Januar 2010

Weinheim an der Bergstraße/Cavaillon in der Provence. Sie sind Einzelhandelskaufleute, Krankengymnastinnen, Chemielaborantinnen oder Drucker. Gemeinsam ist diesen jungen Deutschen und Franzosen, dass sie ins kalte Wasser gesprungen und darin schwimmen gelernt haben. Und natürlich, dass sie aus der südfranzösischen Stadt Cavaillon und aus Weinheim an der badischen Bergstraße stammen, das zum Wahlkreis Metropolregion Rhein-Neckar von Franziska Brantner gehört.

Die beiden Städte sind seit 51 Jahren verschwistert und damit eine der ältesten deutsch-französischen Partnerschaften in ganz Baden-Württemberg (nur Ludwigsburg kann in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz Speyer waren noch früher dran). Doch das Alter ist nicht das Einzige, das besonders ist. Seit 26 Jahren ermöglicht die Engelbrecht-Mitifiot-Stiftung einen regen Austausch von Jugendlichen. Nicht Schüler oder Studierende wie andernorts, sondern solche die schon mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, sind hier gemeint. Mehr als 50 der jungen Weinheimer und Cavaillonesen haben sich im letzten Vierteljahrhundert nämlich auf das Wagnis eingelassen und während ihrer Berufsausbildung vier bis sechs Monate in der Partnerstadt gelebt. Sprachkurs und persönlicher Anschluss inklusive.

Es war im Jahr 1963: Ein Bild ging um die Welt. Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle fassten sich vor dem Pariser Elysées-Palast an den Händen und beendeten so symbolisch die jahrhundertelange „Erbfeindschaft“. An diesem 22. Januar gab es nur einige wenige Städtepartnerschaften. Dazu zählte die damals frisch gebackene große Kreisstadt Weinheim an der Bergstraße und die Stadt Cavaillon in der Provence. Die beiden Begründer der kommunalen Freundschaft, der damalige Oberbürgermeister Rolf Engelbrecht und sein französischer Amtskollege Fleury Mitifiot leben nicht mehr, aber ihre „Herzensangelegenheit“ ist von quicklebendiger Ausstrahlung. Als Weinheim und Cavaillon im Jahr 1983 „Silberne Städtehochzeit“ feierten, machten ihre Nachfolger Nägel mit Köpfen und gründeten eine Stiftung, die den Austausch von jungen Menschen aus beiden Städten dauerhaft ermöglichen sollte. Benannt wurde das Projekt nach den beiden Männern der ersten Stunde. Im letzten Jahr zur „Goldenen“ trafen sich fast alle ehemaligen Stipendiaten. 37 junge Männer und Frauen aus Weinheim waren es bislang, die in einer Wohnung inmitten Cavaillons lebten. 19 Französinnen und Franzosen weilten in dieser Zeit in der Zweiburgenstadt an der Bergstraße. Die Wohnungen werden von der Stiftung finanziert. Wichtig ist: Für die Teilnahme am Austausch werden nur normale Schulkenntnisse verlangt, dafür besuchen die Stipendiaten während des Aufenthaltes einen intensiven Sprachkurs. Gezielt wendet sich das Programm an Auszubildende. Die Geschäftsführung der Stiftung besteht daher auch aus einem Vertreter der Industrie, einem des Handwerks und Handels sowie der Lehrkraft einer Berufsschule. Geschäftsführerin ist Gabi Lohrbächer-Gérard, die Partnerschaftsbeauftragte und Referentin des Weinheimer Oberbürgermeisters – also ganz nahe an der Schaltzentrale der Stadtverwaltung. Zuvor hatte Carmen Hermand diese Funktion inne, auch sie in Führungsposition bei der Stadtverwaltung tätig. Doch das ist nicht das Entscheidende, unterstreichen die beiden. „Wichtig ist, dass sich jemand kümmert“. Da gilt es für die jungen Menschen nicht nur einen Job zu finden, sondern auch ein Bankkonto zu eröffnen, ihnen den Zugang zu Vereinen zu ebnen, sie ins Leben der Stadt einzubeziehen. Ohne persönliche Ansprache klappt es nicht. Doch auch die Stiftung darf nicht starr werden mit ihren Regularien. Moderat modifizieren, so könnte man das nennen. Waren es am Anfang Bäcker, Schreiner, Laboranten, Gärtnerinnen, Krankenschwestern, Schneiderinnen, aber auch Krankengymnastinnen (die Frauen überwiegen bis heute), hat sich das Handwerk aus dem Angebot fast völlig verabschiedet. Dafür finden junge Designerinnen, Laboranten,  aber auch Journalisten oder Hotelfachleute das Angebot mit Logis in der schnuckeligen Altstadt und Taschengeld attraktiv. Was früher funktioniert hat, muss nicht für alle Zeiten klappen. Deshalb sind auch bei diesem Erfolgsprojekt Flexibilität und Anpassung gefragt. Jeder Interessierte muss in einem Motivationsgespräch seine Beweggründe darlegen, letztlich entscheidet dann der Stiftungsrat, wer fahren darf. Bei Maud Berger war das schnell entschieden. Die 23-Jährige hat ihr Studium im Kommunikationsbereich bereits hinter sich und ist derzeit in der Stadtbücherei Weinheims tätig. Dort hat sie sich so gut eingelebt, dass sie gerne bleiben möchte. Die ersten Bewerbungen auf Deutsch hat die junge Frau bereits verfasst.

Info: Engelbrecht-Mitifiot-Stiftung. Geschäftsführung Gabi Lohrbächer-Gérard, Stadtverwaltung Weinheim, Obertorstraße 9, 69469 Weinheim, Telefon 06201 82 397, E-Mail g.lohrbaecher-gerard@weinheim.de

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Initiativen und Internationales, Metropolregion Rhein-Neckar


Ein Kommentar

  1. Weinheim - Blog - 28 Jan 2010 schrieb am 31.01.2010 um 10.32 Uhr

    [...] Aus Tradition quicklebendig: Städtepartnerschaft mit Austausch von … [...]


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