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Für ein Europa der Vielfalt

Veröffentlicht am: 3. April 2010

“Meine Vision von Europa ist nicht, dass alles gleich ist”. Kein Wunder, dass Franziska Brantner es schön findet, dass die Metropolregion Rhein-Neckar, für die sie als Abgeordnete im Europäischen Parlament tätig ist, so eine enorme Vielfalt bietet. Da gibt es eben nicht nur Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, sondern eben auch den Odenwald, die Rheinebene, die Pfalz und Bergstraße und eben das Neckartal. Begleitet von Charlotte Schneidewind, Eberbacherin und im Kreisvorstand der Grünen Odenwald-Kraichgau, war die 30-jährige Parlamentarierin nun bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Eberbach und der Eberbacher Zeitung, um dort deutlich zu machen, wieviel das oft als fern empfundene Europa mit der Lebenswirklichkeit von jedem und jeder zu tun hat.“Das spürbar zu machen”, ist sie im letzten Jahr angetreten. Natürlich haben ihre vorherrschenden Tätigkeitsfelder wie der Außen- und Sicherheitsausschuss sowie der Frauen- und Haushhaltsausschuss auf den ersten Blick nicht viel mit dem Odenwald oder dem Neckartal zu tun, aber eben nur auf den ersten Blick. Wenn beispielsweise demnächst in Straßburg und Brüssel die Debatte darüber beginnt, wie in der nächsten Finanzperiode von 2013 an in Europa strukturell gefördert wird, wird es auch darum gehen, was mit der Milchquote passiert, ob die Breitbandkabelversorgung von Kommunen bezuschusst werden darf und wie der Sozialfonds, aus dem viele Projekte wichtige Unterstützung erhalten, ausgestattet ist. Derzeit wird vor allem diskutiert, ob es die Gelder für Strukturförderung künftig weiter flächendeckend geben wird, weil auch in starken Regionen schwächere Punkte vorhanden sind, oder ob es zu einer Art Länderfinanzausgleich kommt. “Davon rate ich dringend ab”, so die grünen Politikerin. Sie vermutet, dass die dann von der Bundesrepublik eingesparten Summen nicht unbedingt in den strukturschwachen Gegenden landen, sondern im laufenden Haushalt. Franziska Brantner, die in Südbaden aufgewachsen ist, in Paris und New York studiert und soeben in Mannheim promoviert hat, wünscht sich, dass künftig mehr Geld in die Entwicklung zukunftsfähiger Technologie und Energieerzeugung geht und viel mehr als bisher auf Nachhaltigkeit und Regionalität geachtet wird.

“Was habe ich konkret vor Ort von der EU”, RNZ-Redaktionsleiter Thomas Wilken machte sich zum Sprachrohr dessen, was seine Leserinnen und Leser bewegt. Gut zu wissen, dass es der EU ein wichtiges Anliegen ist, möglichst vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen, in den Mitgliedsländern, aber eben auch in den Städten und auf dem Land. Aber, da ist Franziska Brantner, Ehrlichkeit wichtig, “von selbst kommt nichts”. Um EU-Gelder muss man sich bemühen. Wer sich nicht bemerkbar macht, wird leer ausgehen. Und auch für die, die etwas bekommen, bedeutet das mühsames Ausfüllen von Anträgen und ein umfangreiches Berichtswesen. Wissen, wo Chancen bestehen, kann da deutlich weiterhelfen. Dafür sind die Europe-Directe-Büros in Michelstadt und in Mannheim (für die ganze Metropolregion) zuständig. Sie leisten Hilfestellung und haben jede Menge Tipps parat. “Wie wäre es denn”, so die Europaabgeordnete mit Blick auf den Landratswechsel im Rhein-Neckar-Kreis, “wenn Stefan Dallinger auch so etwas einrichten würde?”

Wie sieht es in Eberbach aus? Besser laufen können hätte nach Ansicht von Charlotte Schneidewind-Hartnagel die Aktion “Prima Klima” im vergangenen Jahr. 65000 Euro gab es dafür von der Europäischen Union. Doch nach Ansicht der Betriebswirtin ist außer “heißer Luft” nicht an Erkenntnissen heraus gegkommen. Dass Eberbach mit elf Tonnen Ausstoß an Kohlendioxid im Bundeschnitt liegt und dass das Verbesserungen nötig ist, “wussten wir schon”, so die Bundestagskandidatin 2009. Sie hätte sich Aktionen mit mehr Beteiligung der Menschen gewünscht. Da gibt es tolle Beispiele, pflichtete ihr Franziska Brantner bei. Ob Zuschüsse für die Erneuerung von Heizpumpen, bei der Anschaffung eine Elektro-Fahrrades oder ähnliches, ist andernorts schon vieles gedacht und gemacht worden, was spürbar ein Umdenken bewirkt hat. “Ziel ist es nicht”, so Franziska Brantner, “dass das Geld einfach ausgegeben, sondern dass die Idee vor Ort verankert wird”.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Metropolregion Rhein-Neckar, Strukturförderung


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