Europa in der Schule: Internationales wird persönlich
Europa ist jungen Leuten piepegal? Von wegen. Zumindest nicht, was die Schülerinnen und Schüler der Max-Hachenburg-Berufsschule in der Mannheimer City angeht. Knapp 80 von ihnen fragte der jungen Europaabgeordneten Franziska Brantner fast Löcher in den Bauch, so spannend fanden sie, was die 30-Jährige, die seit Juni für die Metropolregion Rhein-Neckar in Brüssel und Straßburg tätig ist, zu erzählen hatte. Eines wurde dabei deutlich, wenn Politik in Form eines „Menschen wie Du und Ich“ erlebbar wird, dann ist der Wissensdurst kaum zu stoppen.
Genau das ist Ziel des Netzwerks Europäische Bewegung, das von Berlin aus vor rund fünf Jahren für die Europäische Kommission angetreten ist, die Begegnung von Politik und Schule beziehungsweise Betrieb zu fördern. Denn Klimawandel, Energieversorgung oder Terrorbedrohung sowie Wirtschaftskrise zeigen, Internationales wird immer mehr auch Persönliches. Eine starke Staatengemeinschaft ist da unabdingbar, soweit herrschte Einigkeit in der Aula der Schule. Ob die demokratische Legitimation des Lissabon-Vertrages – da hätte sich Franziska Brantner als Parlamentarierin von Bündnis 90/Die Grünen ein europaweites Referendum gewünscht –, der Afghanistan-Einsatz deutscher Soldaten oder EU-Zuschüsse, die in Mannheim bei der Pop-Akademie, dem Gründerinnenzentrum oder im Jungbusch zum Tragen kommen, die Palette der munteren Debatte mit dem Mannheimer Nachwuchs war weit. Kontroversen gab’s natürlich auch. Beispielsweise darüber, ob die Türkei in die Europäische Union aufgenommen weren soll oder ob zu den zahlreichen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan jetzt auch noch Polizisten kommen sollen.
Erstaunen machte sich breit, als die Rede auf die Beiträge Deutschlands zur EU kommt. „Warum zahlen wir am meisten“, wollte ein Schüler wissen. „Weil wir auch am meisten profitieren“, kontert die Abgeordnete. Der Exportweltmeister führt nämlich zu 80 Prozent ins europäische Ausland aus, ist mit 80 Millionen Menschen das größte Land und hat nicht zuletzt in Ostdeutschland auch stark von den Zuwendungen der Europäischen Union profitiert. Was Auslandseinsätze angeht, ist die Position von Franziska Brantner klar. „Das Schicksal der Menschen in anderen Ländern darf uns nicht egal sein“, sagt sie. Das hat sie schon vor zehn Jahren im Hinblick auf die Situation der Frauen in Afghanistan gedacht, denkt sie heute im Hinblick auf den Kongo und die Lage in Bosnien, die sich wieder einmal zuspitzt. Nicht zuletzt deshalb, weil Franziska Brantner am 11. September 2001 in New York lebte und dort die Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers rasen sah, hat sie, was Abwehr von Gefahren und Anschlägen angeht, ihre ganz persönliche Ansicht.
Europa wirkt tief in den Alltag hinein. Das war in persönlichen Beiträgen spürbar und auf einmal sind bislang abstrakte politische Diskussionen um Türkei-Beitritt oder die Lage in Bosnien ganz nah. „Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa“. Das gilt nicht einmal für Günther Oettinger, fand die Runde in der Aula. Auch wenn er für viele nicht gerade das forsche Visionäre verkörpert. Leicht wird es nicht werden für ihn, prophezeit die grüne Politikerin. Muss er doch vor dem Europäischen Gerichtshof schwören, dass er nur die Interessen Europas im Blick hat und nicht die deutschen. Ob die Gemeinschaft der 27 Staaten vielleicht sogar quicklebendige Vertreter hat, die Frage stellte sich zumindest für die Max-Hachenburg-Schüler nach diesem Besuch aus Europa nicht mehr. Der Beweis dafür saß locker mit den Beinen baumelnd vor ihnen.
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