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Franziska Brantner zu Besuch bei LuCa Heidelberg

Veröffentlicht am: 27. Oktober 2009

luca_heidelbergMit Katrin Raabe.

Heidelberg. LuCa geht es wie so vielen in diesen Tagen: Notwendig wie nie und trotzdem gibt’s kein Geld. LuCa, früher als Verein Mädchenhaus bekannt, hat als Herzstück eine Internetplattform mit der Adresse www.ess-stoerungen.net. Dort gibt es die Möglichkeit, sich schlau zu machen über das Problem, das rund ein Drittel der Mädchen in irgendeiner Form betrifft, aber auch die Chance zum Austausch und zur Beratung per E-Mail.

„Der Bedarf ist riesig und steigend“, sagt Katrin Raabe. Sie hat das Projekt zu Beginn des Jahrtausends nach ihrer Diplomarbeit als Pädagogin ins Leben gerufen. Damals eine echte Pionierarbeit, denn die Nutzung des Internets war noch längst nicht so selbstverständlich wie heute. „Dabei“, so sagt die Geschäftsführerin von LuCa, unter dessen Dach auch noch Workshops zur Gewaltprävention sowie Lebens- und Berufsorientierung stattfinden, „ist das der anonymste Weg, den ersten Schritt zu tun“.

Und das ist auch notwendig. Denn viele der betroffenen Mädchen glauben lange nicht, dass sie wirklich krank sind. Manchmal bis es zu spät ist. Wurden am Anfang nur Mädchen beraten, gibt es zwischenzeitlich auch Angebote für Jungen, schließlich steht LuCa im Untertitel auch für Lebensvielfalt und Chancengleicheit, Bildung und Gesundheitsförderung. Was die Essstörungen angeht, sind die Zahlen alarmierend. Nicht nur, weil mindestens fünf Jahre im Schnitt vergehen, bis sich Essgestörte an eine Beratungsstelle wenden, sondern auch weil diese Krankheitsbilder unter allen psychischen Erkrankungen die höchste Todesrat aufweisen und die Heilprognose schlecht ist, wenn die Krankheit erst einmal chronisch geworden ist.

Eine Studie der Forschungsstelle Psychotherapie Heidelberg nimmt derzeit die Ergebnisse der Internet-Beratung unter die Lupe. Schon jetzt wird deutlich, dass die Ergebnisse rundum positiv sind, und es hier gelingt, Jugendliche aufzufangen, bevor nur noch ein Klinikaufenthalt hilft. Doch jetzt der Paukenschlag: Nachdem die rund 25000 Euro im Jahr bislang durch die „Aktion Mensch“, „Herzenssache“ und öffentliche Gelder immer wieder über Wasser gehalten wurde, droht nun Ende November das absolute Aus. „Nein, bitte nicht“. „Das kann doch nicht wahr sein“. „Lasst uns nicht im Stich“. „Ich bin fassungslos“. Das alles ist im Forum der Homepage zu lesen, bei dem rund 3000 überwiegend weibliche Mitglieder angemeldet sind. „Hier kann man Fragen stellen, bekommt Antworten, Einblicke, Kontakt zu anderen, die einen verstehen. Das ist unglaublich viel wert“, schreibt „Novalee“ im Gästebuch der Seite. Doch die Stiftungsgelder sind ausgelaufen, eine dauerhafte Finanzierung scheitert an den schier unüberwindlichen Hürden der Bürokratie. Ein Knackpunkt ist, dass eine Internetplattform eben nicht auf eine Stadt beschränkt ist, sondern bundes- und sogar europaweit agiert. Aber genau deshalb fühlt sich auch keine Kommune finanziell verpflichtet.

Doch „grün ist die Hoffnung“ und „wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Das sagen sich die Mädchen des Forums sowie Katrin Raabe und ihre Kolleginnen. Sie schreiben E-Mails an Fachleute, Männer und Frauen aus Politik, Journalismus und Prominenz. Sie möchte in 50 Städten eine Förderung von 500 Euro pro Jahr beantragen, um so den Betroffenen in der ganzen Bundesrepublik zu helfen.

Aber damit nicht genug. Dieser Tage gab’s Besuch aus Brüssel und dabei „grünte“ die Hoffnung. Franziska Brantner, die dort und in Straßburg für die Metropolregion Rhein-Neckar als Europaabgeordnete fungiert, hatte die Idee. Warum nicht eine Kampagne versuchen, wie sie Barack Obama in den USA vorgemacht hat. „Jeder gibt, was er kann“ und mit vielen kleinen Spenden aus ganz Deutschland und darüber hinaus kann die Internetplattform überleben. „Das Projekt auf ganz viele kleine Füße stellen“. Dazu möchte sie LuCa verhelfen. Wie es gehen könnte, dafür so versprach die 30-jährige promovierte Politikwissenschaftler, da hätten die Verantwortlichen ihrer eigenen Homepage sicher eine Idee, bei deren Umsetzung sie dann auch finanziell helfen wird. Und was die Verbreitung angeht, da möchte sie LuCa ihr Netzwerk an Frauengruppen und ihre Kontakte zu Medien gerne zur Verfügung stellen. Wer weiß, vielleicht schickt sich das Team um Katrin Raabe einmal mehr an, zu den Pionieren zu gehören.

Kontakt
LuCa Heidelberg, Genderfachstelle für Bildung und Gesundheitsförderung, Katrin Raabe, Untere Neckarstraße 17, 69117 Heidelberg, Telefon 06221 6525894, www.luca-heidelberg.de und www.ess-stoerungen.net

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Frauenpolitik, Metropolregion Rhein-Neckar


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