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Geburtstagsfeier zu 25 Jahre Kreisverband Rheinpfalz: “Es hängt so vieles von uns ab”

Veröffentlicht am: 13. März 2011

Römerberg. Hätten sich die Aktiven um den Vorsitzenden Toni Krüger zum 25. Geburtstag des Grünen Kreisverbandes Rhein-Pfalz etwas wünschen dürfen, dann gewiss nicht, dass der Dauerbrenner eines Vierteljahrhunderts Engagement, der Einsatz gegen die Atomkraft nämlich, so brandaktuell werden würden wie just zu diesem Tag. Zumal dann nicht, wenn neben den Landtagskandidatinnen Anne Spiegel und Almut Schaab-Hehn sowie dem rheinland-pfälzischen Spitzenkandidaten Daniel Köbler, auch der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, die Europaabgeordnete Franziska Brantner und Roland Vogt als Mitglied der ersten grünen Bundestagfraktion, den Weg in die Pfalz zum ehemaligen Kreisverband Ludwigshafen Land gefunden hatten. Gefeiert wurde trotzdem, wenn auch verhaltener als geplant. Von Genugtuung, so Özdemir, sei ohnehin nirgends, auch nicht bei der fast gleichzeitig stattfindenden Menschenkette von Stuttgart nach Neckarwestheim, auch nur das geringste zu spüren. Kampfeswillen aber schon, denn es sei das geschehen, von denen die Grünen sich sehnlichst gewünscht hätten, dass es nie wieder passieren würde. „Diese Energieform kann es künftig mit uns nicht mehr geben“, so der Bundesvorsitzende.Es wurde eine Geburtstagsfeier mit „Blick über den Tellerrand“ im Katholischen Pfarrheim Berghausen. Mit von der Partie auch Ilona Volk aus Schifferstadt mit ihrem gesamten Wahlkampfteam. Ihr werden hervorragende Aussichten bescheinigt, am 27. März, dem Tag der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, auch bei der Bürgermeisterwahl in Schifferstadt die Nase ganz vorne zu haben. Auch das ein Beleg für „grüne Entwicklung“.

„Tschernobyl ist überall“, das war 1986 auf einem der ersten Flugblätter des frisch gebackenen Kreisverbandes zu lesen. Und mit einer Schweigeminute für die Menschen im vom Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe gebeutelten Japan eröffnete Franziska Brantner denn auch ihren Beitrag zum Jubiläum.

„Wir müssen kämpfen und dürfen nicht nachlassen“, das war Tenor aller Beiträge, die den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft spannten. „Ich fühle mich zurückgeworfen“, so Roland Vogt, der sich nicht nur an Tschernobyl vor knapp 25 Jahren, sondern auch an Harrisburg im Jahr 1979 erinnert sah. Nach wie vor, so Vogt, seien der Umweltschutz und die Atomkraft die grünen Kernthemen. Anders als viele dies sähen, handele es sich dabei jedoch nicht um parteipolitische, sondern um existentielle Fragen. Außerdem, so Vogt im Hinblick auf die Geschehnisse in Nordafrika, dürften die Grünen sich nie als Streiter für Menschenrechte und Gewaltfreiheit aufgeben.

Franziska Brantner, der bescheinigt wurde, ihr Ludwigshafener Europabüro sei zu einem Dreh- und Angelpunkt der Grünen in der Metropolregion geworden, bekannte, in diesen Tagen zwischen Mut und Wut hin und hergerissen zu sein. Wut beispielsweise auf eine Politik, die mit der Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke, Menschenleben für Profit aufs Spiel setze. Gerade die Metropolregion mit ihrer Nähe zu Biblis, Philippsburg, Neckarwestheim spüre diese Gefährdung ganz unmittelbar. „Dabei“, so die Parlamentarierin, „wissen wir, dass es auch ohne und mit erneuerbaren Energien geht“. Die 31-jährige Abgeordnete fordert auf europäischer Ebene einen Zusammenschluss zur Forschung und Entwicklung der regenerativen Energien wie Euratom damals in den fünziger Jahren. Ihre Fraktion Die Grünen/EFA habe Kommissar Günther Oettinger aufgefordert, aktiv zu werden.

Wut und Mut erfasst die Mutter einer kleinen Tochter auch im Hinblick auf Libyen. Die Trauer um die Menschen, die von Diktator Gaddafi mit Luftangriffen verfolgt werden, wird von ebenso großer Empörung darüber begleitet, dass Deutschland nicht nur lange drittgrößter Waffenlieferant des Landes war, sondern auch die ganze Störtechnik, die verhindert, dass Informationen nach außen dringen, „Made in Germany“ ist. Seit mehr als einem Jahr, so Brantner, kämpfe sie im Parlament gegen die „Schmutzigen Deals“ mit Gaddafi, die nicht nur wegen des Öls ausgehandelt, sondern auch auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen wurden, die sich in ihrer Verzweiflung auf den Weg durch die Wüste oder übers Meer machten. Mut macht der Abgeordneten für die Metropolregion Rhein-Neckar-Pfalz aber, dass es gelungen ist, einen Posten von 600000 Euro für eine Mediations- sprich Konfliktbewältigungseinheit im Auswärtigen Dienst zu verankern.

Franziska Brantner wertete die 25 Jahre Kreisverband Rheinpfalz auch als ein Symbol für 25 Jahre Ringen um die richtigen Antworten, 25 Jahre gute Ideen und tolle Leute. Die gebürtige Südbadnerin appellierte, noch einmal eine Schippe drauf zu legen für die unmittelbar bevor stehenden Wahlen: „Es hängt so vieles von uns ab“.

Für mehr „Demut vor der Schöpfung“ machte sich Daniel Köbler angesichts der Naturkatastrophen und des daraus erwachsenen atomaren Desasters in Japan stark. „Nicht der Mensch steht über allem, sondern wir sind der Natur unterworfen“, sagte der Vater zweier kleiner Töchter. Kämpferisch machte er mobil für eine Energiewende in Rheinland-Pfalz. Vorbei sein müsse aber auch die Zeit der unveranwortlichen Prestigeprojekte, stattdessen gelte es, mehr Geld in Bildung, Kinderbetreuung und Soziales zu investieren.

„Feiern, aber nicht ausruhen“, so Cem Özdemir, das sei die Devise angesichts eines solchen Jubiläums. Das gelte für die Flüchtlingsproblematik in Nordafrika („Die Menschen dort warten auf uns, dass wir ihnen helfen“, den Aufbau der Demokratie dort („Das wird nicht aus der Portokasse gehen“) und den Umgang mit Diktatoren. „Wir leben in der einen Welt“, so Özdemir, „wir dürfen die Menschen nicht allein lassen“.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Grüne Partei, Metropolregion Rhein-Neckar


Ein Kommentar

  1. Roland Vogt schrieb am 16.03.2011 um 13.17 Uhr

    Kompliment, gut gemacht!


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