Heiß gekocht und diskutiert

Wie ein Rückblick auf die eigene politische Entwicklung war der Besuch Franziska Brantners, grüne Europaabgeordnete für die Metropolregion Rhein-Neckar, bei der Grünen Jugend Mannheim am vergangenen Dienstag. Die wiederum hatte die Grünen Jugend und Hochschulgruppen aus der Region zu einem gemeinsamen Kochen mit Franziska eingeladen.
Von Europaverdrossenheit war unter den Jugendlichen nichts zu spüren, deutlich mehr als 30 junge Interessierte aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, also der gesamten Metropolregion, fanden sich zum gemeinsamen Kochen in einem Studentenwohnheim in Mannheim ein. Nachdem das, auf Bio-Zutaten basierende, Chilli „sin“ Carne endlich fertiggestellt war, nutzten alle die Gelegenheit, sich durch das vegetarische Essen zu stärken. Im Anschluss sprach Franziska spontan vor der Gruppe über ihre Arbeit in Brüssel, Straßburg und der Region. So berichtete sie zum einen über die Schwierigkeit, sinnvolle Gleichstellungspolitik unter den aktuellen Mehrheitsverhältnissen zu gestalten, da Anträge zur Stärkung der Rechte beispielsweise junger Mütter von den Konservativen und Nationalen in aller Regel torpediert werden, die ihrerseits versuchen, den bisher erreichten Status Quo der Gleichberechtigung durch hinterlistige Anträge zu unterminieren. Überdies konnte Franziska Brantner hautnah über den Ablauf der Abstimmungen zu dem SWIFT-Abkommen berichten, bei dem das Europäische Parlament erfolgreich deutlich machen konnte, dass es bei internationalen Abkommen seit dem Vertrag von Lissabon nicht mehr übergangen werden darf und durch die Ablehnung des Abkommens einen entscheidenden Schritt für den Datenschutz in Europa absolvieren konnte.
Im Anschluss hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihre Fragen zu Europa zu stellen, und eine Einschätzung Franziska Brantners zu aktuellen, europäischen Angelegenheiten einzuholen: Von der aktuellen Finanzkrise und dem drohenden Staatsbankrott Griechenlands; der damit verbundenen Finanzmarktregulierung, über die Zusammenarbeit innerhalb der Grünen Fraktion des Europaparlaments bis zur Erweiterung der Europäischen Union blieb nahezu kein Themenfeld unbeackert.
Und so konnte der Abend gleich zwei Vorurteile eindrucksvoll widerlegen: Zum einen, dass junge Menschen kein Interesse für Europa aufbringen. Davon konnte keine Rede sein. Stattdessen wurde auf einer informierten Grundlage diskutiert und nachgefragt. Gleichzeitig konnte der Abend beweisen, dass es sich bei Europaabgeordneten nicht um abgehobene, bürgerferne Bürokraten handeln muss: Schließlich hatte Franziska Brantner ihr politisches Engagement in ihrer Jugendzeit selbst bei der Grünen Jugend begonnen und schien an diesem Abend in der Runde anderer, junger, politikinteressierter Menschen voll und ganz in der Rolle als Mitstreiterin für eine ökologische, faire und gleichberechtigte Gesellschaft aufzugehen.
Von Alexander Franke
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