Umweltverbände wollen Regionalplan “begrünen”
Mannheim. Taufrische Morgenluft für die Natur wittern die Verbände der Metropolregion, die sich den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Und damit passen sie haargenau zu dem, was auch die grüne Europaabgeordnete Franziska Branter über “ihre” Metropolregion denkt. „Das Zeitfenster für eine Neuorientierung der Regionalplanung in Richtung Nachhaltigkeit ist offen“, so Matthias Weyland, Geschäftsführer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) im Bereich Rhein-Neckar-Odenwald. Gemeinsam mit dem regionalen Naturschutzbund (NABU) sowie dem Umweltforum Mannheimer Agenda 21 hat seine Organisation den so genannten „Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar 2020“ unter die Lupe genommen und in einem nun verabschiedeten Positionspapier Vorschläge für eine zukunftsfähige Entwicklung erarbeitet. Der Regionalplan, der festlegt, wie der Raum in der Metropolregion künftig verteilt wird und was darauf möglich ist, soll bis Ende des Jahres fertig sein und dann verabschiedet werden. Zu einem „Leitinstrument der Energiewende, des Landschaftsschutzes sowie einer verträglichen Siedlungsentwicklung“, so die einmütige Forderung, müsse sich der Entwurf bis dahin mausern. Im November vergangenen Jahres hatten sich unter anderem auf Initiative von Franziska Brantner die Grünen aus der Metropolregion Rhein-Neckar-Pfalz versammelt, um ein gemeinsames Programm zu formulieren. Das erregte umso mehr Aufsehen, dass die Region mit Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg Teile von drei Bundesländern umfasst. Inhalt damals wie jetzt auch beim Positionspapier der Umweltverbände war der Regionalplan, ein wichtiger Eckpfeiler für sämtliche künftige Vorhaben in der Region.
„Ein guter Grundstein ist gelegt“, so Matthias Weyland weiter, „aber an einigen Punkten muss noch nachjustiert werden“. Vor allem beim Flächenverbrauch sieht die Geschäftsführerin des NABU Rhein-Neckar-Odenwald Bedarf. Ein Hektar wurde in den Jahren 2000 bis 2008 täglich zugebaut. „Damit ist jede Vernunft maßlos überschritten“, so Roland Kirsch vom BUND Pfalz. Während die Dorfkerne mehr und mehr verarmen, schießen seiner Beobachtung nach an den Ortsrändern die Supermärkte wie Pilze aus dem Boden. Ganz zu schweigen von einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft, die neben Folienmeeren auch klotzige Hallen in die Landschaft setzt. Eigentlich, zeigt Christiane Köhler die Problematik auf, wissen alle, dass schon im derzeit noch gültigen Plan doppelt so viele Flächen als Gewerbe- und Baugebiete ausgewiesen sind wie nach der Bevölkerungsprognose jemals noch als Zuwachs benötigt werden wird. Und trotzdem, so Richard Landenberger vom regionalen Vorstand des BUND, „glaubt jeder Bürgermeister die Attraktivität seiner Gemeinde nur durch Neuausweisung retten zu können“. Oliver Decken vom Mannheimer Umweltforum fordert die neuesten Entwicklungen in Sachen Abzug der Amerikaner auf alle Fälle mit einfließen zu lassen. Auf dem Mannheimer Coleman-Areal, wo heute noch ein Flugplatz ist, könnte er sich vorstellen, dass ein Teil der „Landschaft zurückgeben wird“, aber auch eine Energielandschaft mit Windpark und Fotovoltaik entsteht.
Überhaupt sollen die erneuerbaren Energiequellen eine viel größere Rolle spielen, wenn es nach den Umweltverbänden geht. Windparks an ertragreichen Standorten auszuweisen, wird nachgerade als Schlüsselaufgabe des neuen Regionalplans angesehen. Hier spüren Oliver Decken und seine Mitstreiter auch Rückenwind von den Koalitionspapieren aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die dort vorgegebenen Ziele beinhalten von Mainz aus eine Verfünffachung und von Stuttgart aus gar 15 Mal so viel Windkraftanlagen wie bisher. Der Regionalverband, so formlierte Decken, müsse hier vom Blockierer endlich zum offensiven Förderer bekehrt werden. Das Ziel dabei: Ab dem Jahr 2030 soll der Stromverbrauch zu 100 Prozent von Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie gedeckt werden. Auch die Kohlekraft, so Decken, müsse mittelfristig der Vergangenheit angehören. Stattdessen gelte es, sich endlich massiv für die Vermeidung von Verkehr und das Energiesparen stark zu machen.
Klar, dass das auch für die klimaverträgliche Mobilität gelten soll. Busse, Bahnen, Radfahren und zu-Fußgehen soll Vorrang vor dem Auto oder gar dem Flugzeug haben. Eine deutliche Absage erteilen die Umweltschützer ebenso unisono einem Regionalflughafen wie einer Rheinquerung bei Altrip. Damit sich Pflanzen und Tiere in der Region wohlfühlen, müssen laut Christiane Köhler, wie vom Gesetz eigentlich vorgeschrieben, auch wirklich zehn Prozent der Flächen als Biotopverbund ausgewiesen werden. Vor allem die Flussauen entlang von Rhein und Neckar sieht sie als bedeutenden Teil der Wanderkorridore, die künftig auch Wildkatze, Biber und Feldhamster die Metropolregion zur dauerhaften Heimat werden lassen.
Position_zum_Regionalplan_Endfassung_05052011
Ihr Kommentar
Aktuell
- Pressespiegel,
23.04.2013
Brantner wollte wissen, wo es Schriesheim “drückt” - Pressespiegel,
20.04.2013
NPD-Parteitag in Weinheimer Gasthof - Pressespiegel,
20.04.2013
Weinheim setzt auf bunt gegen braun











Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert