EU-Politiker hören Milchbauern zu
Baden-Online-Mittelbadische Presse: Milch – Macht –Moneten« hatte die Arbeitsgemeinschaft der Weltläden zu einer Podiumsdiskussion ins Stadtteil- und Familienzentrum am Mühlbach in Offenburg eingeladen. Rund 40 Interessierte waren gekommen, um sich die Diskussion über Milchpreise, europäische und weltweite Agrarpolitik anzuhören. Podiumsgäste waren Birgit Lieber vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB), die die Diskussion leitete, die Europaabgeordneten Elisabeth Jeggle (CDU) und Franziska Brantner (Grüne), Gerhard Henninger, Hauptgeschäftsführer des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV), Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Landwirt Stefan Lehmann aus Oberharmersbach vom Bundesverband Deutscher Michviehhalter (BDM) sowie Biolandwirt Markus Eggs aus Hofweier.In seinem Einstiegsreferat verwies Tobias Reichert von »Germanwatch« darauf, dass weltweit etwa eine Milliarde Menschen an Hunger leiden. Dreiviertel davon lebten auf dem Lande, ein Großteil seien Kleinbauern und Landarbeiter. Die Ursache ist laut Reichert, dass seit Jahrzehnten die Entwicklungspoltik im Bereich »Landwirtschaft und ländlicher Raum« vernachlässigt wurde.
Den Grund, weshalb es nicht nur Kleinbauern in Entwicklungsländern schlecht geht, sondern auch Milchbauern hierzulande mit zu niedrigen Preisen zu kämpfen haben, sieht Reichert zu einem Großteil in der EU-Agrarpolitik. Vor allem, weil die EU-Exporte von Fleisch und Geflügel höher liegen als die Importe. Das sei nur möglich, weil große Mengen an Futtermitteln wie Soja billig importiert würden.
Von den Direktzahlungen der EU an die Landwirtschaft profitieren im Wesentlichen die großen industriell ausgerichteten Unternehmen, führten sowohl Reichert in seinem Referat als auch Maria Heubuch vom AbL aus. Die Hälfte der kleinen Betriebe bekommen gerade einmal 6,1 Prozent der Subventionen. An die größten Betriebe (1,7 Prozent) gingen 30 Prozent der Direktzahlungen, hieß es. »Das geht absolut auf unsere Kosten«, wetterte Heubuch, die für die bäuerlichen Betriebe sprach. Stefan Lehmann vom BDM berichtete, wie sich die Schieflage durch solche Entwicklungen auch auf die Milchpreise auswirkten: »Von Kostendeckung sind wir weit entfernt.« Sein Hof könne nur überleben, weil er die Milch durch andere Wirtschaftszweige quersubventioniere und weil die Familie ohne Entlohnung mitarbeite: »Das sind die Dinge, die ich anprangere«, sagte Lehmann.
Ausstellung
Vor der Podiumsdiskussion wurde die Fotoausstellung »Mensch, Macht, Milch« eröffnet. Sie zeigt das Leben und die Arbeit von Milchbauern weltweit. Bis 20. Juli ist sie im Stadtteil- und Familienzentrum am Mühlbach in Offenburg. Von 21. bis 30. Juli ist die Schau in der Mediathek in Oberkirch. Informationen unter www. weltladen.offenburg.de/MenschMachtMilch im Internet.
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