Unternehmen sollen Gehaltsstrukturen offenlegen – Das EU-Parlament will die schlechtere Bezahlung von Frauen höher bestrafen
hmk. BRÜSSEL, 24. Mai. Das Europaparlament will Sammelklagen gegen die schlechtere Bezahlung von Frauen für gleichwertige Arbeit ermöglichen und Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern zur Offenlegung der Gehälter zwingen. Dafür haben sich die Abgeordneten am Donnerstag in Straßburg mit großer Mehrheit ausgesprochen. Die Sammelklagen sollen es Gewerkschaften oder Nichtregierungsorganisationen ermöglichen, gegen die Diskriminierung von Frauen vorzugehen. Um den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit auch gleichwertig zu bezahlen, spricht sich das EU-Parlament zudem für höhere Strafen aus. Die existierenden Strafen seien zu niedrig und im Übrigen noch nie gegen einen Arbeitgeber verhängt worden. Mit der anonymisierten Offenlegung der Gehaltsstruktur wollen die Abgeordneten Frauen erleichtern, für mit ihren männlichen Kollegen vergleichbare Gehälter zu kämpfen.
Bisher akzeptierten viele Frauen schlechtere Gehälter, weil sie gar nicht wüssten, wie gut ihre männlichen Kollegen bezahlt würden, sagte die EU-Abgeordnete Franziska Brantner (Grüne). Zudem sei auch vielen Arbeitgebern gar nicht unbedingt bewusst, dass sie Frauen schlechter für vergleichbare Aufgaben entlohnen. Allein die Zusammenstellung der Daten für die Offenlegung habe deshalb in den Ländern, die solche Transparenzanforderungen schon kennen, zu einer Angleichung der Gehälter geführt.
Mit der Forderung des Europaparlaments vergleichbare Transparenzpflichten gibt es etwa in der Schweiz, Schweden oder Luxemburg. Die SPD-Abgeordnete Constanze Krehl sprach sich hingegen vor allem für effektive Strafen und Bußgelder aus. Zudem forderten die Abgeordneten, „gleichwertige“ Arbeit besser und anhand von konkreten Kriterien wie der Ausbildungszeit zu definieren.
Frauen verdienen im Durchschnitt nach wie vor deutlich weniger als Männer. Zuletzt lag die Differenz nach Angaben der Europäischen Kommission innerhalb der EU bei 16,4 Prozent. Deutschland liegt mit 23 Prozent klar über dem EU-Durchschnitt. Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings nicht um einen Vergleich der Gehälter für gleichwertige Arbeit, sondern der Gehälter von Männer und Frauen insgesamt. Die EU-Kommission muss nun erklären, ob und inwieweit sie die Forderungen des Parlaments aufnimmt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.05.2012 Seite 13
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