Jeder, der mich kennt, weiß, dass mir Inhalte unheimlich wichtig sind. Ich will, dass etwas passiert, sich Dinge zum Besseren verändern. Deshalb mag ich es auch nicht sonderlich, wenn Menschen allzu viel Aufhebens um sich machen. Ich behandle Persönliches lieber diskret, bei mir und bei anderen. Aber mein Team hat mich überzeugt, dass ich etwas von mir erzählen muss, damit mich die Menschen besser kennenlernen und wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. Deshalb habe ich mich den neugierigen Fragen gestellt und siehe da, das Ping-Pong-Spiel hat sogar Spaß gemacht.

Das Interview

Gibt es ein Lebensmotto der Franziska Brantner?
Franziska: Mmmh, schwierig. Die Hoffnung stirbt zuletzt (lacht). Nee, das ist zu hart. Vielleicht: Es ist zu spät, Pessimistin zu sein. Oder noch eher: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Was müsste für einen Aufenthalt auf einer einsamen Insel unbedingt im
Gepäck sein?

Franziska: Meine Familie, ein gutes Buch und Musik…

Ohne welche Musik wäre das Leben ärmer?
Franziska: Das kommt darauf an, wie ich drauf bin. Wenn alles gut läuft, dann darf es ruhig rockig sein. Mit klassischer Musik, Mozart zum Beispiel, versuche ich von meinem hohen Stresslevel runter zu kommen und sein "Requiem" ist regelrecht heilsam.

Was hilft sonst noch, um runter zu kommen?
Franziska: Nach Hause kommen, alles von sich werfen und in Schlamperklamotten auf dem Sofa hocken, ein Buch lesen, Tee trinken und mit Freunden telefonieren.

Gibt es ein europäisches Lieblingsmenü?
Franziska: Oh je, das wird schwierig. Also zur Vorspeise ein Feldsalat mit Croutons und einem bisschen Speck, also badische Küche. Als Hauptspeise ein Risotto mit "Asperges vertes" (grünem Spargel), das ist vielleicht eher italienisch, und als Nachspeise ganz unbedingt "Creme brulee".

Passiert es häufiger, dass jemand sagt, "Mein Gott sind sie jung für den Job"?
Franziska: Nein, direkt sagt das niemand. Aber denken tun das schon manche. Oder ich werde, wenn ich Unterlagen abhole gefragt, für welchen Abgeordneten ich denn arbeite. Dann sage ich immer. "Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich bin es selbst". Aber in der Regel ist es eher so, dass die Leute sagen, "Mensch, haben Sie schon viel gemacht für ihr Alter".

Welche Schwächen hat Franziska Brantner?
Franziska: Meine Ungeduld. Mir fällt es schwer, wenn Leute nicht begreifen wollen, dass wir jetzt handeln müssen! Aber manchmal übernehme ich mich bei diesem Tempo auch selbst und dann sagt mein Körper: Stopp, jetzt reicht es.

Gibt es einen Lieblingsort in Europa?
Franziska: Unbedingt Paris. Das ist die allerschönste Stadt. Dieser Mix aus Alt und Neu, die unterschiedlichen Kulturen, der Esprit….

Was ist schön an Brüssel?
Franziska: Auch dieses Multikulturelle. Es ist eine liberale Stadt, ein guter Platz für das Europäische Parlament.

Was hat die neue Abgeordnete am Anfang am meisten überrascht?
Franziska: Dass die Leute mich anders sehen. Ich selbst habe das gar nicht wahrgenommen. Aber vor allem Menschen, die nicht in Brüssel oder Straßburg sind, bringen dem Amt und damit der Person viel Achtung entgegen. Das gibt einem auch eine ungeheure Verantwortung, damit gut umzugehen.

Gibt es einen Lieblingshelden oder eine Lieblingsheldin der Zeitgeschichte?
Franziska: Knifflig. Doch da wäre Bella Abzug zu nennen. Ja, sie heißt wirklich so und war eine amerikanische Feministin mit ungeheuer originellen Ideen und enormer Weitsicht, auch in internationalen Belangen. Ihr Motto "I always had a decent sense of outrage" (deutsch etwa: Ich verfügte immer über ein gutes Maß an Entrüstung) gefällt mir sehr. Sich aufregen und engagieren zu können und dabei das rechte Maß nicht zu verlieren, das finde ich ein tolles Ziel.

Hat Dich ein Film in letzter Zeit besonders bewegt?
Franziska: Ja, der Dokumentarfilm "Lumo". Da geht es um ein Genesungsheim im Kongo für vergewaltigte Frauen, denen alles kaputt gemacht wurde durch das schreckliche Verbrechen, auch ihr Körper wurde fast zerstört. Und trotzdem finden sie dort wieder ins Leben zurück. Wie nach erlebter Gewalt doch wieder Lebensfreude entstehen kann, das fand ich wirklich bewegend und aufrüttelnd.

Wie wurde Dein 30. Geburtstag am 24. August 2009 gefeiert?
Franziska: In Paris mit Freunden bei einem gemütlichen Abendessen und den Tag über bin ich in meiner Lieblingsstadt durch die Straßen geschlendert, habe in Cafes gesessen und war in Ausstellungen. Nachgefeiert habe ich ihn aber erst im Oktober mit einer großen Party, mit einem Freund zusammen, der auch gerade 30 geworden ist.

Was tut eine Franziska Brantner, wenn man ihr mitten im vollen Stress eine Stunde Freizeit schenkt?
Franziska: Super Idee. Dann lege ich mich ins Gras, schaue mir die Bäume an und mache einfach nichts.