Lautstarker Appell: “Mach’ Dich vom Acker Amflora”

Ludwigshafen. “Mach’ dich vom Acker Amflora. Diese Giftknolle ist ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher und Erzeuger”. Martin Häusling, Rebecca Harms und José Bové von der Europafraktion Grüne/EFA protestierten am Dienstag mit rund 100 Demonstrierenden gegen den Anbau der Genkartoffel dieses Namens. Und übergaben an den Geschäftsführer von BASF Plant Science, Peter Eckes, eine Resolution, in dem sie vom Weltkonzern den sofortigen Stopp von Anbau und Vermarktung von gentechnisch veränderten Pflanzen forderten. Die grüne Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken (Sprecherin für Agrarpolitik ihrer Fraktion) machte sich ebenfalls für das Recht auf eine gentechnikfreie Landwirtschaft stark. Dass Franziska Brantner, die als Europaabgeordnete für die Metropolregion Rhein-Neckar ein Büro in Ludwigshafen hat, nicht mit von der Partie war, hatte den besten aller Gründe: die Geburt ihres Kindes stand kurz bevor.
Franziska Brantner hatte die Resolution ebenso unterzeichnet wie ihre Fraktionskolleginnen und –kollegen, aber auch Hubert Weiger, der Vorsitzend des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Slow Food Deutschland, Naturland, Bioland, Demeter, der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft und die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft sowie das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Landwirtschaft gehörten zu den 23 Unterzeichnern. Für Happening-Atmosphäre sorgte vor Tor 2 der BASF nicht nur eine vier Meter hohe, aufblasbare „Genkartoffel“ mit Haifischähnlichem Gebiss, sondern auch eine Performance der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz, bei denen Verbrauchern und Stärkeindustrie mit „blauer Gentechnikfarbe“ versehener Kartoffelbrei gereicht wurde. „Voll, eklig“, so noch einer der zurückhaltenderen Kommentare.

„Wir freuen uns, dass unsere Aktion gegen die Giftknollen von BASF von so vielen Umwelt-, Agrar- und Verbraucherverbänden unterstützt wurde“, so Häusling als Koordinator der Grünen im Agrarausschuss. „Das zeigt einmal mehr, dass es einen breiten Widerstand gegen gentechnisch veränderte Organismen gibt“. Die Verbraucher, darin sieht er sich auch mit Franziska Brantner einig, müssen eine echte Wahlfreiheit haben und das gehe eben nur ohne die „Grüne Gentechnik“. Nach Ansicht zahlreicher Experten bedroht die Amflora die gesamte Branche. Selbst das Unternehmen geht davon aus, dass alleine durch den Anbau Verunreinigungen bei konventionellen und ökologisch erzeugten Kartoffelprodukten auftreten können. Unklar ist, wer dann haftet, wenn die Verunreinigung die gesetzlich zugesicherten 0,9 Prozent-Toleranzgrenze überschreitet.
„Alles, was in der freien Natur stattfindet“, unterstrich auch Felix zu Löwenstein vom Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft vor dem BASF-Hochhaus, „ist per se nicht eindämmbar“. Zudem, darin waren sich alle einig, „ist Amflora völlig unnötig“. Gibt es doch längt konventionell gezüchtete Kartoffeln, die einen vergleichbar hohen Anteil an Stärke aufweisen. Auch hätte die Industrie verkündet, dass sie Amflora nicht einsetzen wolle. Das ist der noch immer zunehmenden Abneigung der Bevölkerung geschuldet. 77 Prozent der Verbraucher sind für ein Anbauverbot von Amflora.

„Durch kaum vermeidbare Vermischungen mit Speisekartoffeln wird Amflora mit seinen riskanten Antibiotika-Resistenzgenen auch im Kartoffelbrei landen“, so Ulrike Höfken und Rebecca Harms unisono. „Wir werden nicht hinnehmen, dass durch BASF und Monsanto die Lebensmittelkette weiter verunreinigt wird und die Kosten dafür auf Steuerzahler, Verbraucher und die gentechnikfreie Produktion abgewälzt werden“.
„Wir unterstützen die BASF darin, Zukunftsbereiche wie biologischen Pflanzenschutz, nachhaltige Düngung und alternative moderne Züchtungsverfahren zu entwickeln, wo im Gegensatz zur Agrogentechnik bereits konkrete Erfolge etwa bei der Salz- und Trockenheitsresistenz vorhanden sind. Was mit uns nicht zu machen ist, sind Schrottprodukte und Technologien aus der Mottenkiste, die Eigentum und Umwelt anderer schädigen. Herausforderungen wie Klimawandel, Bienensterben und Welthunger warten darauf, dass die BASF ihrem eigenem Anspruch von Nachhaltigkeit mit besseren Produkten auch gerecht wird“, so die Agrarspezialisten abschließend. Der Bauernrebell und Europa-Abgeordnete José Bové betonte, dass auch in Frankreich 80 Prozent der Menschen Gentechnik weder auf dem Feld noch auf dem Teller haben wollen. „Das ist ein europäischer Kampf“ schwor er die Demonstrierenden ein. Weder bei Soja, Raps, noch Mais oder Kartoffel hätten genmanipulierte Pflanzen etwas zu suchen. Er setzt großer Hoffnung auf den Lissabon -Vertrag, der auf europäischer Ebene ein Bürgerbegehren ermöglich.“Wir werden keine Ruhe geben, bis sie diese Dinosauriertechnik zu den Akten legen“, so auch Thomas Dosch von Bioland.
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Schöner Artikel, schöner Einsatz! Weiter so.